offener Brief zur angekündigten Kahlsanierung der Poststrasse

Sehr geehrter Herr Hilbert,
Sehr geehrter Stadtrat,

Ich möchte mit diesem offenen Brief auf die angekündigten Baumfällarbeiten auf der Poststrasse in Dresden-Löbtau Bezug nehmen.
Es ist mir ein Anliegen, Ihnen hiermit meinen ausdrücklichen Protest sowie mein absolutes Unverständnis zu diesem Vorhaben zum Ausdruck zu bringen! So kann ich weder die Notwendigkeit noch die Gedankenlosigkeit mit welcher eine solche Entscheidung getroffen wird nachvollziehen! Es sollen Jahrzehnte alte Bäume für einen angeblich notwendigen Ausbau der oben genannten Poststrasse gefällt werden. Mit welchem Recht wird eine derart weitreichende Entscheidung ohne eine Befragung der direkt betroffenen Anwohner getroffen? Mit welchem Recht entscheiden Menschen über die langfristige Gestaltung der Lebens- und Wohnqualität der Anwohner in diesem Stadtteil, welche selbst nicht direkt betroffen sind? Welches Stadtratsmitglied würde einem solch verheerenden Eingriff in die Wohnqualität des eigenen Stadtviertels zustimmen?
So werden als Argumente angeführt, dass die Poststrasse als Durchgangsstrasse ausgebaut werden muss und Parkbuchten geschaffen werden sollen, um das erhöhte Parkaufkommen abbilden zu können. Ich frage mich, auf welcher Erhebung eine solche Entscheidung beruht? Weder wird die Poststrasse aktiv als Durchgangsstrasse und damit als Alternative zur Reisewitzer Straße verwendet, noch ist hier ein erhöhter Bedarf an Parkplätzen absehbar. Es sind keine zusätzlichen Wohneinheiten in der unmittelbaren Umgebung geschaffen worden, welche einen entsprechenden Bedarf nahe legen würden. Vielmehr erscheint es mir, als ob vorhandene Gelder für den Ausbau dieser Straße abgerufen werden müssen. Grundsätzlich ist eine entsprechende Sanierung langfristig notwendig. Jedoch sollte es im 21. Jahrhundert möglich sein, eben diese ohne die völlig sinnlose Fällung aller dort stehenden Altbäume durchzuführen! Diese Bäume verwandeln die Straße zu einem lebenswerten und wunderschönen Teil unserer Stadt. Mit Sicherheit genießen die Anwohner im Sommer deren schattenspendende Blätter vor den Fenstern. Jeder Fußgänger atmet einmal tief durch, wenn er hier entlang geht und das Grün genießen kann. Gerade der diesjährige heiße und lange Sommer hat die Notwendigkeit dieser Bäume wieder eindrucksvoll bewiesen!
So ist diese angekündigt Baumfällung nur wieder ein Beispiel, wie rücksichtslos mit dem Altbaumbestand in unserer Stadt umgegangen wird! Zwar werden immer wieder neue Halme an den Stellen in den Boden gerammt, an welchen einst große Bäume standen, doch vermag keiner dieser Halme meiner oder den nachfolgenden Generationen je den Eindruck eines echten „BAUMES“ zu vermitteln. Im Gegenteil, ein Großteil dieser lieblos gesetzten Winzlinge geht direkt ein und wird nie eine stattliche Größe erreichen. Ich bitte Sie an dieser Stelle einmal mit wachsamen Augen durch unsere Stadt zu gehen. Es gibt zahlreiche Stellen an denen dies zu beobachten ist (Washingtonstraße, Grünstreifen Budapester Strasse, etc.) Es scheint, als ob Jeder, welcher in der Lage ist eine Motorsäge in den Händen zu halten, qualifiziert genug ist, an der Grünpflege unserer Stadt mitzuwirken.
Wie ansprechend und wohnlich Straßenzüge auf uns Menschen wirken, welche man sämtlichen Grüns beraubt hat, kann man am Beispiel der Kesselsdorfer Straße verfolgen. Kein Blatt, kein Baum hilft uns hier noch über die trostlose und verdreckte Betonwüste hinweg. Gleiches droht nun der heute noch so schönen Poststrasse, welche im übrigen bereits im oberen Verlauf vor längerer Zeit kahl geschlagen wurde. In immer heißer werdende Sommern können wir uns dann müde daran erinnern, welch kühlende Wirkung ein Altbaum in dieser aufgeheizten Häuserschlucht gehabt hätte.
Ich appelliere an Sie Altbäume als einen DER prägenden Faktoren für Wohn- und Lebensqualität in unseren Stadtteilen wahrzunehmen und deren Fällung zu verhindern wo immer dies vermeidbar ist! Städte wie Essen, welche uns als Industriestädte in Erinnerung sind, haben uns in puncto Altbaumbestand längst um Meilen überholt. Dort hat man erkannt, das deren Wert für die Bürger einer Stadt durch keinen noch so eilige gesetzten Jungbaum ausgeglichen werden kann. Unser einst so grünes Dresden verkommt mehr und mehr zur gesichtslosen Betonwüste!
Mit freundlichen Grüßen,
Anna Karras

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